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Wir wären nicht wir

WM 2030

„Emmi, bist du schon im Zug nach Frankfurt?“ Andrea wirkte ungewöhnlich defensiv.

„Ja.“

„Ist die große Fotografin noch böse? Nur, weil wir sie zu diesem schnöden, gutbezahlten Bildband überredet haben?“

„Ja.“ Emilia experimentierte mit den Farbgebungen ihres digitalen Fotobearbeitungsprogramms. Ungeduldig tippte sie auf die Bildschirmoberfläche ihres iPads. Sie saß im Großraumwagen und ein junger Vater im Gang neben ihr schaute stirnrunzelnd herüber. Sein Sohn schien Emilias Telefonat zu belauschen.

„Ach, Emmi, so schlimm kann das doch nicht sein. Immerhin fährst du erster Klasse.“

„Dieser DFG muss ja eine Menge Geld haben“, sagte Emilia und wandte sich wieder ihrem iPad zu.

„Emmi, ich sag das jetzt schon zum hundertsten Mal: Das heißt DFB! Das bedeutet Deutscher Fußball Bund! Merk dir das um Himmelswillen, sonst wird es gleich furchtbar peinlich!“

„Ich wollte dieses Projekt nicht, Andrea. Ihr habt mir das eingebrockt! Du und Mark und Mork! Ihr seid alle geisteskrank, wenn ihr mich fragt. Wie sollen wir dreißig Fotoshootings in nur vier Wochen schaffen? Und wie sich das schon anhört: Fiffi-Weltmeisterschaft! Wer ist überhaupt dieser 'Fiffi'?“

Eine längere Leseprobe kann im PDF-Format heruntergeladen werden.

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Mühlheim am Main

Titelbild: Mühlheim am Main

Zwei Jahre haben Peter Mayer und ich an diesem Bildband gearbeitet. Immer wieder fiel uns in dieser Zeit auf:

Wir sehen Dinge nicht, wenn wir nicht vorher etwas darüber gelesen haben oder jemanden haben, der sie uns richtig zeigt.

Sehen ist ein ganz wichtiges Thema in diesem Buch.
Es gibt meiner Meinung nach nur eine einzige Gruppe Menschen, die so richtig SEHEN kann. Und das sind Kinder.
Kinder filtern nicht das Gesehene. Sie sehen sprichwörtlich alles. Da staunt man nicht schlecht, wenn sie klitzekleine Dinge wahrnehmen, über die wir Erwachsene hinwegschauen. Manchmal denke ich, vor allem im Zusammensein mit meinen Kindern, Erwachsensein bedeutet: „Nicht mehr genau hinsehen“ oder gar „Kenn ich schon alles, weiss ich schon alles!“

Die wenigen Menschen, die sich so eine kindliche, offene Sichtweise bewahrt haben, sind Photographen. Die bewegen sich aber auch ganz anders in ihrer Umgebung, Photographen – zumindest die, die ich kenne, gehen meist ganz langsam, aufmerksamer und fahren Fahrrad, wegen des Besser-Hinguckens.

Kinder und Photographen bilden also eine homogene Gruppe.

So muss man sich das auch vorstellen, wie die Bilder dieses Buches zustande kamen. Eine Mutter, zwei Kinder und ein Photograph. Und eine Kamera.
Manche Dinge entstehen aus einer guten Laune heraus, manche aus einer schlechten. Manche Dinge entstehen aus Unkenntnis, manche aus sozialem Engagement.
Dieses Buch entstand definitiv aus Übermut. Sogar Leichtsinn! Und zwar als wir bei einem Essen mit anderen Mühlheimern zusammenhockten. Wir dachten, jung und unerfahren, wie wir halt so im Herzen sind:

Machen wir doch mal einen Bildband über Mühlheim. So schwer wird das schon nicht sein. Und Mühlheim ist ja auch nicht so entsetzlich groß, da suchen wir uns ein paar schöne Ecken und dann klappt das schon!

Sagen wir es mal ganz offen, hätten wir gewusst, wie viel Arbeit das ist, hätten wir es gelassen.

Man wird nie fertig mit einem Bildband. Man hört einfach nur irgendwann auf und sagt: Schluss jetzt, sonst bekommt das nie mehr einer zu sehen.

Nicht nur wegen der Texte,
in denen man immer noch ungefähr 1000 Fehler findet, egal wie oft man sie durchliest,
die oft zu lang oder zu kurz sind,
zu langatmig oder zu salopp.

Natürlich kann so ein Buch nicht nur aus Bildern bestehen. Texte zu finden, die in die kleinen und großen Lücken passen, ist schwieriger als es aussieht. Obwohl wir aus einem großen Fundus schöpfen können, denn viel, viel Wissenswertes hat der Mühlheimer Geschichtsverein gefunden und bewahrt, hat man viel Mühe damit. Und man wirft oftmals alles wieder und wieder um, bis man das Richtige gefunden hat.

Und dann das Wichtigste: Photos machen.

Man muss sie: auswählen, wegwerfen, wieder raussuchen. Und dann nachlesen, was man da eigentlich geknipst hat und dann erst die Texte dazu schreiben.

Was für eine schöne Plackerei.

Nun hoffe ich sehr, Euch ein wenig neugierig gemacht zu haben.

Auf das Buch genauso wie auf die schöne Stadt Mühlheim am Main.

Zum Reinschnuppern gibt es einige Probeseiten.

Erhältlich in: Mühlheimer Buchladen GmbH, Preis 14,80 Euro, ISBN 978-3-930367-27-6

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Der Langweiler

Grandel, der Langweiler. Man sagte über ihn, er schaffe es, daß selbst die Zeit sich langweile - zumindest aber zäh strecke und dehne. Er war der langweiligste Mensch auf Erden.

Es war Montag, und es machte ihm nichts aus, daß Montag war. Er erwachte von selbst gegen 8 Uhr 30, schaltete den tickenden Wecker aus, bevor er klingelte, und setzte sich in seinem Bett auf, einem Holzbett mit dem gewissen geschmacksneutralen Funktionsdesign und mit ruhiger, weißer Baumwollbettwäsche bezogen. Es war genau jene Art gestärkte, musterlose Bettwäsche, die bei Bewegung heimelig raschelte. Grandel trug einen Pyjama, den Frau Holle, seine Zugehfrau, liebevoll gebügelt hatte. Er sah sich müde in seinem engen Schlafzimmer um, betrachtete verschlafen die vielen unscharfen Bücherregale, schob ein Buch auf dem Nachttisch zurecht, nahm sich sorgsam seine farb- und randlose Brille und setzte sie auf seine breite Nase. Ohne diese Gläser war er stark kurzsichtig, daher sahen seine Augen zu jeder Tageszeit müde aus. Und gaben ihm dieses Aussehen. Das Aussehen eines netten, alleinstehenden Herrn ohne Leidenschaften und ohne störende Ambitionen. Grandel war leicht zu beschreiben. Er war …

Eine längere Leseprobe kann im PDF-Format heruntergeladen werden.

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